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Guillermo Deisler

Leben und Arbeit

Guillermo Deisler wurde am 15. Juni 1940 in Santiago de Chile geboren. Er studierte an der dortigen Universität Bühnenbild und Theatergraphik. Von 1967 bis 1973 war er Assistent und Dozent für Grafik an der Universidad de Chile in Antofagasta. Nach dem Militärputsch vom 11. September 1973 wurde er in Antofagasta für zwei Monate inhaftiert. Freunde erreichten, dass er von der französischen Botschaft ein Visum bekam und nach Paris auswandern konnte. Nach einigen Monaten im Exil musste Deisler feststellen, dass es für ihn und seine Familie keine Existenzgrundlage in Frankreich gab. Er entschied sich dafür, in die DDR einzureisen. In Eisenhüttenstadt traf er chilenische Flüchtlinge. Aufgrund von Entscheidungen chilenischer Genossen und eines Abkommens zwischen den sozialistischen Staaten wurde er jedoch als Kontingentflüchtling nach Bulgarien “verbannt” (Deisler). Dennoch arbeitete er weiter regelmäßig mit dem Regisseur Hans-Uwe Haus bei verschiedenen Theaterprojekten in der DDR und in Griechenland zusammen. Erst 1986 konnte er wieder in die DDR zurückkehren. Deisler lebte in Halle/Saale, wo er am Opernhaus arbeitete. Er beschäftigte sich intensiv mit experimenteller und visueller Poesie und gründete 1987 das Künstler- und Mail Art-Projekt UNI/vers(;), dass er bis zu seinem Tod mit insgesamt 35 Nummern weiterführte. 1988 organisierte er mit Karla Sachse die Ausstellung Visuelle Poesie, zu der auch ein Katalog erschien. Zwei Jahre später gab er mit Jörg Kowalski die Anthologie wortBILD. Visuelle Poesie in der DDR heraus. In allen Ländern, die zu Stationen seines Lebens wurden, gab Deisler originalgraphische Künstlerbücher in Auflagen von drei bis über 50 Exemplaren heraus, darunter 1969 GRRR in Chile, 1975 le cerveaux  in Frankreich, 1977 packaging poetry in Bulgarien und 1988 z. B. make-up in der DDR. Sein Mail Art-Projekt Federn der ganzen Welt für meinen Flug wurde 1989 in Annaberg-Buchholz und anschließend – während der Herbstdemonstrationen – in Berlin gezeigt. Dieses Projekt befindet sich heute im Schloss Friedenstein Gotha.

Am 21. Oktober 1995 verstarb er nach einem Krebsleiden in Halle. Sein über 5 000 Mail Art-Werke umfassendes Archiv befindet sich heute im Archiv der Kunstsammlung der Akademie der Künste, Berlin. Es war Bestandteil der großen Ausstellung Arte Postale 2013.

Werke von Deisler befinden sich auch in der Sächsischen Landesbibliothek in Dresden, im Schiller- Nationalmuseum/Deutsches Literaturarchiv Marbach, im Sackner-Archive of Concrete & Visual Poetry in Miami sowie in der Public Library des Museum of Modern Art in New York. Die von ihm am meisten benutzten Techniken waren der Holzschnitt und die Collage. Mit diesen Mitteln entstand eine visuelle Poesie, in der die Textelemente davon entbunden waren, bloße Schriftsprache zur Übermittlung von Inhalten zu sein. Deislers künstlerischer Umgang mit sprachlichen Zeichen wurde durch seine Erfahrungen im Exil verstärkt. Während der Stationen seines Exils musste er sich mehrmals auf eine ihm fremde Sprache einlassen. “Daß die Sprachen untereinander ausschließlich ein Element der Spaltung sind, nicht aber ein internationaler Kodex von Zeichen, die der Verständigung dienen”, löste in ihm eine Suche nach einem “Zeichensystem (aus), das jenseits der Sprache existiert und mit dem ein Gedanke, eine Botschaft zu verstehen und mitzuteilen ist”.

Mail Art Schaffen

Guillermo Deislers Werke sind von einem unverwechselbaren Stil. „Alle seine mit scheinbar leichter Hand gedruckten, gezeichneten, geschriebenen, gestempelten, genähten, geklebten Postsendungen laden dazu ein, mit ihm gemeinsam an dem subversiven, Schönheit und Bewusstsein stiftenden Prozeß der Transformation selbst banalster Dinge und Texte teilzunehmen und ihnen eine poetische Verdichtung abzugewinnen.” (Karla Sachse, siehe Literatur)


Biography

Guillermo Deisler was born in Santiago de Chile June 15, 1940. He studied stage design and theatre graphics. From 1967 to 1973 he was university assistant and lecturer for graphics at Universidad de Chile in Antofagasta. After the military coup on September 11, 1973 he was arrested for two month. Friends managed to get him a French visa so that he could emigrate to Paris. After a few month in exile he felt like there is no livelihood for him and his family in France. He decided to move to the former GDR. There he met some Chilean refugees in Eisenhüttenstadt. Due to decisions made by Chilean comrades and to an agreement between the socialist states he was „banned“ (Deisler) to Bulgaria as a quota refugee. Still, he worked together with the theatre director Hans-Uwe Haus on a regular basis, and on various projects in the GDR and in Greece. Only in 1986 he was allowed to get back to the GDR. Deisler lived, on to his death, in Halle/Saale, where he worked at the opera. He engaged himself intensely in experimental and visual poetry and founded the artists- and Mail Art project UNI/vers(;) in 1987, which he kept running, with 35 issues, up to his death. In 1988 he organized the exhibition Visuelle Poesie (Visual Poetry) together with Karla Sachse. Two years later he edited the anthology wortBILD. Visuelle Poesie in der DDR (wordIMAGE. Visual Poetry in the GDR) together with Jörg Kowalski. In every country Deisler lived in he published original graphic artists books in circulations between three and 50, amongst them GRRR in Chile in 1969, le cerveaux in France in 1975, in 1977 packaging poetry in Bulgaria and in 1988 make-up in the GDR. His Mail Art project Federn der ganzen Welt für meinen Flug (Feathers of the whole world for my flight) had been shown in Annaberg-Buchholz in 1989 and furthermore – during the autumn demonstrations – in Berlin. This project is today at Schloss Friedenstein in Gotha.

On October 21, 1995 he died of cancer in Halle. His archive with over 5000 Mail Art pieces is today in the archives of the Academy of Arts in Berlin. His works are at Sächsische Landesbibliothek Dresden, at the Schiller-Nationalmuseum/Deutsches Literaturarchiv Marbach, at Sackner-Archive of Concrete & Visual Poetry in Miami as well as at the Public Library of the Museum of Modern Art in New York.

His most frequently used techniques were woodcarvings and collages. He used them to produce visual poetry, in which textual elements were more than just a written language to transport content. His artistic handling of the linguistic sign had been influenced by his experiences in exile. He had to deal with new and foreign languages several times: „That languages among each other are just a means of separation and no international codex of signs that would support each other“ lead him to a search of „sign systems, that would work beyond language and that help to understand and utter a thought, a message“.

Mail Art producing

Guillermo Deislers works are of a very distinctive style. „All his missives seemed effortlessly printed, drawn, written, stamped, sown and pasted, and invited one to take part with him in the subversive process of transformation which brings about beauty and awareness even of the most banal objects and texts, and they invited one to wring poetic condensation from them.” (Karla Sachse, see literature)

Ausgewählte Arbeiten/selected works

Literatur (Auswahl)/literature (selection)

  • Deisler, Guillermo und Kowalski, Jörg (Hg.): wortBILD, visuelle Poesie in der DDR. Halle/Saale 1990.
  • Deisler, Guillermo (Hg.): peacedream project. UNI/vers(;) Visuelle und experimentelle Poesie international. Magazin 1. Halle/Saale 1994.
  • Deisler, Guillermo (Hg.): peacedream project. UNI/vers(;) Visuelle und experimentelle Poesie international. Magazin 2. Halle/Saale 1994.
  • Sachse, Karla: Guillermo Deisler. In Berswordt-Wallrabe, Kornelia von (Hg.): Mail Art – Osteuropa im internationalen Netzwerk (Ausstellungskatalog) Schwerin 1996, S. 119 – 121 (de, en).
  • Akademie der Künste: Programm Nov./Dez. 1997. Erwerbung der Mail-Art-Korrespondenz von Guillermo Deisler, Berlin 1997,  S. 104f.
  • Förderkreis der Schriftsteller in Sachsen-Anhalt (Hg.): Guillermo Deisler. Zeichen geben. Hallesche Autorenhefte 18. Halle/Saale 1998
  • Janke, Nico:  Das UNIVERS(;)-Projekt – Guillermo Deisler chilenischer Impuls im Mail Art-Netzwerk Europas. Katalog zur Ausstellung: Außer Kontrolle! Farbige Grafik & Mail Art in der DDR, Schwerin 2015 (de, en), S. 142 – 147, ISBN 978-3-86335-848-8

Links

Robert Rehfeldt

Leben und Arbeit/biography

Robert Rehfeldt wurde am 5. Januar 1931 in Stargard, Pommern, geboren. Er wuchs dort und in Berlin auf und kam 1940 mit der Kinderlandverschickung nach Bad Ischl, Österreich, zu einer Pflegefamilie. Seine Mutter holte ihn 1946 wieder nach Berlin. Robert Rehfeldt war zunächst als Steinmetz und Transportarbeiter tätig und studierte – nachdem er in Ost-Berlin für das Kunststudium abgelehnt wurde – an der Hochschule für Bildende Künste in West-Berlin von 1948 bis 1953. Danach arbeitete er als Grafiker, Pressezeichner und Bildjournalist. 1954 lernte er Ruth Wolf kennen, die er ein Jahr später heiratete. 1963 wurde er freischaffend und gehörte zu den experimentellen Künstlern im Ostteil der Stadt. Er war Mitglied im Verband bildender Künstler und führte viele baugebundene Aufträge aus. Anfang der 1970er Jahre kam er über polnische Künstler und Klaus Groh mit der internationalen Mail Art-Szene in Kontakt. Es gelang ihm, ein weitreichendes Kontaktnetz zwischen Ost- und Westeuropa, den USA und Lateinamerika aufzubauen. Auch mit Fluxus-Künstlern wie Wolf Vostell, Robert Filliou und Dick Higgins befand er sich im postalischen Kunstaustausch. 1975 bat er Künstler aus aller Welt um die Gestaltung einer Postkarte und machte daraus – anläßlich einer eigenen Ausstellung in der Galeria Teatru Studio in Warschau – die erste Mail Art-Ausstellung der DDR. Er inspirierte und unterstützte die legendären Mail Art-Ausstellungen in der Ost-Berliner Galerie Arkade 1978 und in der EP-Galerie von Jürgen Schweinebraden 1979. Rehfeldt organisierte das Ost-Berliner Treffen des 1. Dezentralen Internationalen Mail Art-Congresses 1986. Von 1972–87 leitete er den Mal- und Zeichenzirkel Palette Nord, an dem u.a. Joseph W. Huber teilnahm.
1991 stellte er neben eigenen Arbeiten auch das Mail Art-Projekt von 1987 in seiner Retrospektive im Ephraim-Palais in Berlin aus.

Robert Rehfeldt starb überraschend am 28. September 1993 nach einer Operation in Berlin.

Nach seiner umfangreichen Retrospektive in der Galerie Parterre in Berlin – Prenzlauer Berg 2008 folgten weitere Einzelausstellungen im Kunstpavillon Heringsdorf und in der Orangerie Putbus 2010, in der Weserburg – Museum für Moderne Kunst in Bremen 2010/11 und in der Galerie Pohl in Berlin – Pankow 2014.

Über seine Frau Ruth Wolf-Rehfeldt kam sein Nachlass und das gemeinsame Mail Art-Archiv in die Berliner Galerie ChertLüdde. Dort wird beides erforscht und regelmäßig ausgestellt. Späte Werke wurden 2021 erstmals in einer kleinen Show präsentiert.


Robert Rehfeldt was born January 5, 1931 in Stargard (Pomerania). He was raised there and in Berlin and came to a foster family in Bad Ischl (Austria) with the Kinderlandverschickung (in World War II, city children were evacuated to the countryside) in 1940. His mother brought him back to Berlin in 1946. He was a stonecutter and transport worker and studied – after being rejected from stuying art in East Berlin – at the College of Fine Art in West Berlin from 1948 to 1953. In the following he worked as designer, drawer for the press media and was an image journalist. In 1954 he met Ruth Wolf, whom he married a year later. Since 1963 he had been working as an independent artist and was part of the experimenting artists in the eastern part of the town. He was member of the Verband der bildenden Künstler der DDR (fine artists association of the GDR) and did a lot of works that were bound to buildings. In the beginning of the 1970s he came into contact with the international Mail Art scene via some Polish artists and Klaus Groh. He succeeded in building up an extensive network of contacts between East and West Europe, the USA and Latin America. Rehfeldt also cultivated a postal art exchange with artists from the closer Fluxus circle, like Wolf Vostell, Robert Filliou and Dick Higgins. In 1975 he asked artists from around the world to design a postcard. With this material he did the first Mail Art exhibition in East Berlin – taking his own exhibition at Galeria Teatru in Warsaw as a model. He inspired and supported the legendary Mail Art exhibitions at East Berlin gallery Arkade in 1978 and at EP-gallery of Jürgen Schweinebraden in 1979. Rehfeldt organised the East Berlin meeting of the 1st Decentralised International Mail Art Congress in 1986. From 1972 to 1987 he directed the circle for drawing and painting Palette Nord with participants like Joseph W. Huber.
In 1991 he exhibited – besides own works – his Mail Art project from 1987 in a retrospective at Ephraim-Palais in Berlin.

Robert Rehfeldt died surprisingly on September 28, 1993 after surgery in Berlin.

After his extensive retrospective in the Galerie Parterre in Berlin – Prenzlauer Berg in 2008, further solo exhibitions followed in the Kunstpavillon Heringsdorf and in the Orangerie Putbus 2010, in the Weserburg – Museum for Modern Art in Bremen 2010/11 and in the Galerie Pohl in Berlin – Pankow 2014 .

Through his wife Ruth Wolf-Rehfeldt, his estate and the joint Mail Art archive came to the Berlin gallery ChertLüdde. Both are researched and regularly exhibited there. Late works were presented for the first time in a small show in 2021.

Mail Art Projekte/Mail Art Projects:

  • Creative Workshop (vom 27.09. bis 23.10.1975 ausgestellt in Warschau)
  • Contart Mail Box (1980)
  • Please work on this card (1987)

(Mail Art-) Ausstellungen/(Mail Art) exhibitions:

  • Fluxus – Eine lange Geschichte mit vielen Knoten, Fluxus in Deutschland 1962 – 1994, Wanderausstellung des Instituts für Auslandsbeziehungen 1995 (Katalog)
  • Mail Art Osteuropa – im internationalen Netzwerk, Staatliches Museum Schwerin 1996 (Katalog)
  • Das XX. Jahrhundert. Ein Jahrhundert Kunst in Deutschland, Nationalgalerie Berlin 1999 (Katalog)
  • Mail Art Saarland – DDR: Schmuggelgut oder Kassiber? Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek Saarbrücken 2000, Universitätsbibliothek Leipzig 2001 (Katalog)
  • Kunst in der DDR, Retrospektive der Nationalgalerie Berlin 2003, Folkwang-Museum Essen 2004 (Katalog)
  • Fluxus East – Fluxus-Netzwerke in Mittelosteuropa, Wanderausstellung des Künstlerhauses Bethanien Berlin 2007 (Katalog)
  • Subversive Praktiken. Kunst unter den Bedingungen politischer Repression in Südamerika und Europa, Württembergischer Kunstverein Stuttgart 2009 (Katalog)
  • Kunst und Kalter Krieg, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, Deutsches Historisches Museum Berlin 2009 (Katalog)
  • Robert Rehfeldt – Ein Ausnahmekünstler, Studienzentrum für Künstlerpublikationen in der Weserburg | Museum für Moderne Kunst Bremen 2010/11
  • ARTE POSTALE, Akademie der Künste, Berlin 2013 (Katalog)
  • Außer Kontrolle! Farbige Grafik & Mail Art in der DDR, Schwerin und Güstrow 2015 (Katalog)
  • Auf Montage! Galerie Pankow 2016 (Katalog); Gegenstimmen. Kunst in der DDR von 1976 – 1989, Martin-Gropius-Bau, Berlin 2016 (Katalog)
  • A – The Mail Art Archive of Ruth Wolf-Rehfeldt and Robert Rehfeldt 2017, ChertLüdde Gallery Berlin (Katalog); Hinter der Maske. Künstler in der DDR, Museum Barberini Potsdam (Katalog)
  • Keep in touch, Studienzentrum für Künstlerpublikationen in der Weserburg | Museum für Moderne Kunst Bremen 2018; Hello World. Revision a Collection, Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin; Hinter dem Horizont… Kunst der DDR aus den Sammlungen des Staatlichen Museums Schwerin; Real Pop 1960 – 1985, Brandenburgisches Landesmuseum für Moderne Kunst
  • Die Rehfeldts – eine Künstlerfamilie aus Pankow, 2020, Galerie Wolf & Galentz Berlin
  • OST/WEST – Alternativen: Joseph Beuys und die Performance- und Mail Art-Szene in der DDR, Museum FLUXUS+ Potsdam 2021ei
  • Kunst ist, wenn sie trotzdem entsteht, Kunstraum Potsdam 2023n
  • Mail Art-Memory Lane: Robert Rehfeldt, Kunstverein Eislingen 2025

Ausgewählte Arbeiten/selected works

Literatur (Auswahl)/literature (selection)

Joseph W. Huber

Leben und Arbeit/biography

Joseph W. Huber wurde am 26. Juni 1951 in Halle an der Saale geboren. 1959 kam er mit seiner Mutter nach Berlin. Zunächst absolvierte er eine Ausbildung zum Offsetdrucker, später war er in verschiedenen Berufen tätig. Von 1971 bis 1980 war er im Zeichenzirkel von Robert Rehfeldt aktiv, dann selbst als Zirkelleiter im Studio Bildende Kunst Lichtenberg, wo er Karla Sachse kennenlernte, mit der er von 1977 an zusammenlebte. 1976 nahm er erste Mail Art-Kontakte auf und begann eine intensive Ausstellungstätigkeit. Seit 1979 gab er eigene kritische und satirische Motive als Postkarten und Plakate heraus. Ab 1981 erhielt er verschiedene “Zulassungen” für die professionelle künstlerische Tätigkeit, wurde jedoch erst 1986 von den Karikaturisten als Mitglied in den Verband Bildender Künstler der DDR aufgenommen.
Nach der Wende gründete er die edition Karte’ll und gab nun auch Postkarten befreundeter Künstler heraus. Nach der großen Ausstellung Mail Art – Osteuropa im internationalen Netzwerk (1996) verkaufte er sein gesamtes Mail Art-Archiv an das Staatliche Museum Schwerin. Dennoch blieb er weiter mit den vielen Post-Partnern in Kontakt, schrieb jeden Morgen vier bis fünf Briefe und zeigte seine Kunst im “Kleinformat” in zahlreichen Ausstellungen.
Am 2. August 2002 nahm er sich das Leben.

Projekt/project:

  • Nature is life – save it (1977)

Beteiligt an den retrospektiven Mail Art-Ausstellungen/part of the retrospective M.A. exhibitions:

  • Mail Art Osteuropa – im internationalen Netzwerk im Staatlichen Museum Schwerin 1996 (Katalog)
  • … keine Kunst? Mail Art-Projekte im Museum für Post und Kommunikation Berlin 1997
  • Mail Art Saarland – DDR: Schmuggelgut oder Kassiber? in der Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek Saarbrücken 2000 und in der Universitätsbibliothek Leipzig 2001 (Katalog)
  • Arte Postale, Akademie der Künste, Berlin 2013 (Katalog)
  • Außer Kontrolle! Farbige Grafik & Mail Art in der DDR, Schwerin und Güstrow 2015 (Katalog)
  • Hinter dem Horizont… Kunst der DDR aus den Sammlungen des Staatlichen Museums Schwerin, 2018 (Katalog)
  • OST/WEST – Alternativen: Joseph Beuys und die Performance- und Mail Art-Szene in der DDR, Museum FLUXUS+ Potsdam 2021

Huber was born June 26, 1951 in Halle/Saale. In 1959 he and his mother moved to Berlin. First he did an apprenticeship as a offset printer, then he worked in various jobs. From 1971 to 1980 he attented Robert Rehfeldt‘s drawing circle, later he lead the circle at Studio Bildende Kunst Lichtenberg, where he got to know Karla Sachse, they then were together from 1977 on. In 1976 he established first Mail Art contacts and did exhibtions intensely. From 1979 on he published his own critical and satirical postcards and posters. From 1981 on he was “allowed” to do several professional artistic jobs, but it was not until 1986 that he as caricaturist became a member of the Association of Fine Artists in the GDR.
After the Fall of the Wall he founded edition Karte’ll and published his own postcards as well as some of other artists with whome he was friends. After the great exhibition Mail Art – Osteuropa im internationalen Netzwerk (Eastern Europe in the international network) in 1996, he sold his Mail Art archive to the State Museum in Schwerin. Still he kept contact with many mail partners, he wrote four to five letters per day and showed his art in “small format” in various exhibitions.
On August 2, 2002 he took his own life.

Ausgewählte Arbeiten/selected works

Literatur (Auswahl)/literature (selection)

  • Huber, Joseph W.: Was ist Mail Art für Dich und warum machst Du mit?, in: Friedrich Winnes und Lutz Wohlrab (Hg.): Mail Art Szene DDR 1975 – 1990, S. 20
  • Röder, Kornelia: Nature is life. Mail Art – Kunst als Kommunikation im Katalog Faszination Wasser, Schwerin 2000
  • Thurmann-Jajes, Anne: Joseph W. Huber – Denkzettel aus’m Osten, Kleine Reihe, Band 2 des Studienzentrums für Künstlerpublikationen in der Weserburg, Museum für moderne Kunst, Bremen 2009
  • Lange-Berndt, Petra: Nature Is Life – Save It. Kollektivität und Ökologie in der DDR. In KUNSTFORUM INTERNATIONAL Band 263 (2019)

Birger Jesch

Leben und Arbeit/biography

Birger Jesch wurde 1953 in Dresden geboren. Von 1962 bis 1965 besuchte er das Unitäts-Kinderheim der Herrnhuter Brüdergemeine. Er machte eine Lehre als Maler und arbeitete bei der Deutschen Reichsbahn. Seit Beginn der 1970er Jahre machte er seine Erfahrungen in verschiedenen Subkultur-Szenen der DDR (Tramper, Kunden). Ab1979 wurde er ein engagierter Akteur im Mail Art-Netzwerk. Gemeinsam mit den anderen Dresdner Mail Artisten Jürgen Gottschalk, Martina und Steffen Giersch, Joachim Stange wurde er von der Staatssicherheit im OV “Feind” erfasst und “bearbeitet”. 1986 erfolgte sein Umzug nach Thüringen.
Von 1982 an beteiligte sich Birger Jesch auch an autonomen orginalgraphischen Editionen wie “und”, “spinne” und “entwerter/oder”.  Seine Arbeitsgebiete wurden: Konkrete Poesie, Aktionskunst und Konzeptkunst. Anlässlich der ersten freien Wahlen in der DDR (März 1990) realisierte er ein Kontaktanzeigenprojekt, das er zehn Jahre später als “Sammlung Anna Blume” öffentlich in Weimar, Waren/Müritz und in der Galerie am Prater in Berlin zeigte. Danach beschäftigte ihn das Thema Porträt unter Verwendung von Schattenriss und Pochoir. Heute arbeitet er weiterhin in den Feldern Aktions- und Konzeptkunst sowie im angewandten Bereich der Raumgestaltung mit Musterwalzen. 2007 zeigte er in einer Doppelausstellung mit seinem Mail Art-Partner Jürgen O. Olbrich  aus Kassel die umfangreiche Retrospektive PING PONG im ACC Weimar. 2017 folgte die Übersichtsausstellung Korrespondenzen auf Schloss Burgk und 2019 eine gleichnamige im Romantikerhaus Jena. Zusammen mit den anderen Dresdner Mail Artisten Jürgen Gottschalk, Martina und Steffen Giersch, Joachim Stange und Jörg Sonntag stellte er 2023/24 im Kunsthaus Raskolnikow in Dresden aus.

Mail Art Projekte/Mail Art Projects:

  • Schießscheiben (1980)
  • Please stamp for me (1980-90)
  • Collective Collages (1981-92)
  • Alles noch beim Alten? (1982)
  • Offene Briefe (1982)
  • Hommage á Wilhelm Reich (1982)
  • The darkside of your moonfaces (1984-87)
  • Collective Linolcut (1989)
  • Your favorite pornography – Commonpress 100 (1989)
  • Gazetta (1995)
  • Partisan d´Amour (1995-2000)
  • The Blue Room (1997-2000)
  • Springfullmoon (1998)

Post Mail Art Projekte/Post Mail Art Projects:

  • Communication Breakdown (seit 1997)
  • Trikoloren (seit 1999)
  • Das Schattenalbum (seit 2007)
  • Stille Post (2015/16)

Jesch was born in Dresden, Germany in 1953. From 1962 to 1965 he was at the Unitäts children’s home of the Herrnhuter Brüdergemeine. He became a painter and worked for the German State Railway. Since the 1970s he has been collecting experiences in various sub-cultures in the former GDR (Tramper, Kunden). From 1979 on he has been heavily engaged in the Mail Art network. Together with the Dresden-based mail artists Jürgen Gottschalk, Martina and Steffen Giersch and Joachim Stange he was filed and “arranged” as OV “Feind” (“enemy”) by the Staatssicherheit (the secret police of the GDR). In 1986 he moved to Thuringia, Germany.
From 1982 on he participated in autonomous original graphic editions, like “und”, “spinne” and “entwerter/oder”. His workscopes became: concrete poetry, action-, and conceptual art. On the occasion of the first free elections in the former GDR (March 1990), he carried out a lonely hearts ad project, that he made accessable to the public ten years later in the “Collection Anna Blume” in Weimar, Waren/Müritz and in the Galerie am Prater in Berlin. Since 2003 he has been interested in portraits, using silhouettes and pochoirs.
In 2007 he had an intense retrospective of his conceptual art together with his mail art partner Jürgen O. Olbrich at ACC in Weimar. The overview exhibition Korrespondenzen at Schloss Burgk followed in 2017 and the one in the Romantikerhaus Jena in 2019. Together with the other Dresden Mail Artists Jürgen Gottschalk, Martina und Steffen Giersch, Joachim Stange and Jörg Sonntag, he exhibited in 2023/24 at the Kunsthaus Raskolnikow in Dresden.

Ausgewählte Arbeiten/selected works

Literatur (Auswahl/literature (selection)

Friedrich Winnes

Leben und Arbeit/biography

Am 21. Juli 1949 wurde Friedrich Winnes in Heidelberg geboren. Anfang der 1950er Jahre siedelte er mit seinen Eltern in die DDR über. Er studierte Maschinenbau in Karl-Marx-Stadt, arbeitete dann als Ingenieur bei Bergmann-Borsig in Berlin. Am 1. Mai 1975 lernte er Robert Rehfeldt kennen, der ihn bald zur Vervielfältigung der Dokumention seiner Warschauer Mail Art-Ausstellung engagierte. Friedrich Winnes beteiligte sich seitdem an vielen Mail Art-Ausstellungen, jedoch ohne ein eigenes Projekt zu starten. Nach der Wende gründete er ein kleines Reisebüro und vermittelte noch für DDR-Mark Reisen nach Paris. Später arbeitete er in einer Westberliner Siebdruckfirma. Nach längerer Arbeitslosigkeit fand er 2002 eine Festanstellung in der Edition Staeck, weshalb er nach Heidelberg umzog, wo er das Heidelberger Mail Art-Archiv von Klaus und Rolf Staeck und sich selbst einrichtete. Er starb am 1. Mai 2005 an den Folgen eines Schlaganfalls.

Er war an retrospektiven Ausstellungen beteiligt, u.a./part of retrospective exhibitions, i.e.:

  • Mail Art Osteuropa – im internationalen Netzwerk im Staatlichen Museum Schwerin 1996 (Katalog)
  • … keine Kunst? Mail Art-Projekte im Museum für Post und Kommunikation Berlin 1997
  • OST/WEST – Alternativen: Joseph Beuys und die Performance- und Mail Art-Szene in der DDR, Museum FLUXUS+ Potsdam 2021

Friedrich Winnes was born January 21, 1949 in Heidelberg. In the beginning of the 1950s his parents moved to the GDR. He studied engineering in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) and worked as engineer at Bergmann-Borsig in Berlin. On May 1, 1975 Winnes got to know Robert Rehfeldt, who was soon to involve him in the copying of his documentation of his Mail Art exhibition in Warsaw. From that time on Winnes took part in many Mail Art exhibitions, but without starting an own project. After the Fall of the Wall he founded a small travel agency that arranged trips to Paris for GDR-Mark. Later on he worked in a West Berlin serigraph company. After being unemployed for some time he was hired by the Edition Staeck in 2002. He therefor moved back to Heidelberg, where he set up the Mail Art archive of Klaus and Rolf Staeck and himself. He died May 1, 2005 of the consequences of a stroke.

Ausgewählte Arbeiten/selected works

Literatur (Auswahl)/literature (selection)

Herausgeber von:

Aufsätze über Mail Art, u.a.:

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